Edith Nesbit’s The Red House in neuer Übersetzung

Wir zwei im Roten Haus

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Hintergründe und Motive des Romans:

E. Nesbits The Red House begleitet das frisch verliebte, enthusiastische, aber zunächst kaum erfolgreiche Künstlerpaar Len und Chloe in zwölf Kapiteln dabei, einen überraschend ererbten Familiensitz zu einem lebenszugewandten Zuhause zu machen und sich dort – aber auch in ihrer Beziehung zueinander – einzurichten. Die Romanhandlung erstreckt sich über etwas mehr als ein Jahr und gliedert sich – eher episodenhaft foranschreitend – in 12 Kapitel. Edith Nesbit wählt Len, den Ehemann, zum Ich-Erzähler, der auf eine kunstvolle, mit kritischen Anspielungen auf literarische Traditionen durchsetzte, Art erzählt. Dabei verlässt er häufig seine personale Perspektive zugunsten auktorial gestalteter Ein- und Überblicke.

Der Roman trägt durchaus autobiographische Züge und spiegelt insofern das Verhältnis von E. Nesbits erweiterter Familie zu deren geliebtem Wohnhaus Well Hall. Die Beziehung zwischen erzählter Geschichte und erlebtem Leben ist jedoch komplex und verbietet direkte Parallelen (vergleiche auch das Übersetzer-Nachwort).

Verhandelt werden – neben den stets präsenten Herausforderungen einer großen Haushaltung und eines unvorbereitet angetreten Haus- und Grundbesitzertums – zeittypische Themen: der Stadt/ Land-Gegensatz (in einer sich rasant industrialisierenden Gesellschaft) – wobei dieser durch die Naturverbundenheit der Autorin einen besonderen Akzent erhält –  soziale Ungleichheit und Klassenzugehörigkeit, die Frage nach dem Verhältnis beider Geschlechter im gemeinsamen Eheleben sowie die Auseinandersetzung mit der Bedeutung von «Arbeit» und dem Viktorianischen Arbeitsethos. Zentral ist dabei die – modern, neu und kritisch aufgeworfene – Frage: Wie wollen wir (zusammen-)leben? Und woher kommen Bedeutung und Orientierung im Leben, wenn sie nicht vorrangig durch sozialen Druck und Tradition vorgegeben werden?

Den Roman kennzeichnet hier eine energisch zögernde Suchbewegung nach modernen Vorstellungen: Nach einem neuen, selbstbewussten Frauenbild, ohne den Rückhalt der traditionellen Rolle aufgeben zu wollen; nach einem gleichberechtigteren, humaner organisierten Zusammenleben, dessen Entwurf aber gleichzeitig noch nicht von klassenbezogenen Vorbehalten loskommt.

E.Nesbits Biographin J. Briggs (1987) bezeichnet The Red House als einen ihrer erfolgrichsten Erwachsenenromane: Sie hält ihn zwar für «sentimental», aber zugleich für weiterhin lesenswert. Der zeitgenössischen Kritik fiel er positiv auf, weil nicht das Kennenlernen der Liebenden den Kern der Erzählung bildet, sondern deren gemeinsames Beziehungsleben in der Ehe.

Zwei Aspekte empfehlen den Roman auch für gemütliche Leseabende eines heutigen Publikums: Inhaltlich zum einen zahlreiche  historische Bezüge und Anspielungen, die sich auch als Ausgangspunkt einer Beschäftigung mit der «heraufziehenden Moderne» (Early Modernism) eignen, sowie sein Vertrauen auf solidarischen Zusammenhalt und Einfallsreichtum unter den Menschen;  erzählerisch zum zweiten sein Sprachwitz und seine sehr lebhafte Charakterzeichnung. Als Gesamtbild betrachtet, rechtfertigt dies die vorliegende Neuübersetzung; es war die Motivation hinter dem Vorhaben, den Roman unter freier Lizenz auf Deutsch neu zugänglich zu machen. Die beiden bisher vorhandenen  Übersetzungen deutscher Sprache sind ihrerseits etwa ein Jahrhundert alt.

Übersetzer und Kontaktperson:

Christoph Trüper (M.A.) hat in Passau, Regensburg und Münster Anglistik, Geschichte und Philosophie studiert und befasst sich derzeit mit philosophischen Reflexionen zur biographischen Entwicklung von Menschen. The Red House ist seine erste Romanübersetzung. Hauptberuflich ist er als Referent für Inklusion an der Goethe-Universität Frankfurt für die Interessen behinderter Menschen engagiert.

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